Ist flirten schon fremdgehen?

Ja. Jedenfalls ist die eindeutige Reaktion vieler Frauen, wenn ihr Partner mit einer anderen flirtet sehr häufig Rückzug und Ausdruck des Missfallens, manchmal auch Rumnörgeln, Streiten, Liebes- oder Sexentzug. Und das ertragen die meisten Männer nur ganz schlecht. Es belastet sie sehr, wenn der „Hausfrieden schief hängt“ und deshalb lernen sie sehr schnell: Flirten mit anderen Frauen ist unerwünscht und bringt die Partnerin in schlechte Laune. Sie verbieten sich dann nach und nach offensichtliche Blicke auf schöne Frauen oder gar persönliche Kontaktaufnahme mit diesen. Ich kenne einige Männer, die sich sogar angewöhnt haben einen richtigen Bogen um attraktive (=gefährliche) Frauen zu machen. Dadurch werden zwar Probleme vermieden und der Mann macht anscheinend nichts, was die Partnerin provoziert.
Aber das genau ist das Problem. Nach einiger Zeit nimmt sie ihn nicht mehr als Mann wahr. Und er sich selbst auch nicht mehr. Sein Jagd- und Alphaverhalten, Frechheit, Witz, Mut und Kontaktfreude mit Frauen, kurz: den Verführer hat sie ihm abtrainiert, um ihn ganz für sich allein zu haben. Hat eine Frau das mit ihrem Partner geschafft, dann ist er „betaisiert“, also kein Alphamann mehr für sie. Aus dem einst wilden, unberechenbaren Hengst ist ein zahmes Pony geworden. Er stellt keine Gefahr mehr da: sie kann ihm sogar die schönsten Freundinnen vorstellen und er macht keine Anstalten zu flirten. Sie könnte also glücklich sein und ihre gemeinsamen Tage genießen, bis dass der Tod sie scheidet. Aber nein: sie beginnt sich zu langweilen, denn Frauen wollen Pferdeflüsterer sein und keine zahmen Ponys streicheln. Und sie beginnt zunächst das Pony zu provozieren, damit die wilde, männliche und unberechenbare Seite, in die sie sich verliebt hatte wieder geweckt wird: sie selbst flirtet herum, ärgert oder neckt ihn, lässt ihre schlechte Laune an ihm aus, gibt ihm Befehle... Und der Mann ist sauer: er macht doch alles, was sie will (und verbietet sich sogar sich bei anderen Frauen als Mann zu fühlen), und trotzdem sie provoziert ihn.
Und das ist genau der Fehler! Bleibe als Mann ein Mann und lass es dir nicht verbieten. Sonst kastrierst du dich selbst und wirst stinklangweilig! Geht der Mann auf die Provokationen der Frau nicht ein, dann eskalieren diese immer mehr…. Bis sie sich schließlich einen neuen, wilden und aufregenden Hengst sucht. Zeige, dass du keine Angst vor schönen Frauen hast, kontaktfreudig und begehrt bist! Lass sie spüren, dass sie dich niemals zu 100% besitzen wird, dass immer ein gewisses Risiko besteht. Das hält die erotische Spannung in der Partnerschaft lebendig.
Manche Männer wollen das Problem heimlich lösen, indem sie Flirts und Kontakte mit anderen Frauen vor der Partnerin verheimlichen. Aber auch das geht meist nicht gut. Warum?
Warum haben Männer so schnell ein schlechtes Gewissen?

Frauen besitzen anscheinend einen sechsten Sinn, eine Art weibliche Intuition für alle Geheimnisse des Partners. Sie scheinen manchmal genau zu wissen, was in ihm vorgeht. Sie sehen ihrem Partner an der Nasenspitze an, wenn er nur den Gedanken an die Option einer Möglichkeit erwägt mit einer Frau zu flirten: das schlechte Gewissen steht ihm auf die Stirn geschrieben: Jens kommt nach Hause, küsst sein Partnerin Janine und sagt: „Hey Schatz, du siehst super aus. Ich liebe dich.“ Sie schaut ihn durchdringend an, denn alle Alarmglocken läuten. Was ist hier los?
Jens hat gerade einen netten Flirt mit einer Frau auf der Straße gehabt und jetzt ein schlechtes Gewissen. Nur äußerst selten sagt er zu seiner langjährigen Freundin, dass sie gut aussieht und seit Jahren hat er schon nicht mehr „Ich liebe dich.“ gesagt. Also ist sie irritiert. Sie bemerkt seine Nervosität und denkt sofort: eine andere Frau! Janine: „Wo warst du denn so lange? Ich warte schon die ganze Zeit.“ Jens: „Hat eben länger gedauert.“ Janine: „Wieso? Warst du denn nicht alleine?“ Jens: „Ja doch, äh, natürlich…“
Und schon beginnt das Verhör, in dem Janine Jens immer mehr in die Ecke drängt, bis er schließlich gesteht eine nette Frau kennen gelernt zu haben. Nichts ist passiert, beide haben sich nur angeregt unterhalten und die knisternde Spannung genossen. Aber sein schlechtes Gewissen ist so ausgeprägt, er ist so bemüht, den Erwartungen seiner Partnerin zu entsprechen, dass er sich schuldig fühlt ein kleines Geheimnis vor seiner Partnerin zu haben. Denn schließlich hat er als guter Sohn von Mama gelernt: „Hab keine Geheimnisse vor Mama.“ Janine spürt diese innere Spannung und wird unruhig. Ihr Partner verhält sich so, als hätte er etwas Gravierendes ausgefressen. „Er geht bestimmt fremd“ denkt sie sich. „Warum verhält er sich sonst so komisch.“ …. Und das Drama nimmt seinen Lauf.
Auch wenn gar nichts passiert ist – viele Männer heben schon aufgrund ihrer Fantasie ein schlechtes Gewissen. Udo liegt im Bett mit seiner Frau Uschi. Sein Handy klingelt – es ist Sandra. „Hallo Sandra. Ja, schön, dass du anruft. Aber, äh, ich kann gerade nicht reden. Ich rufe dich morgen an. … Ja, ganz bestimmt. Tschüss“. Als er das Handy weglegt bemerkt Uschi, dass er irgendwie nervös ist. „Sag mal, wer ist denn Sandra? Du hast mir nie von ihr erzählt.“ Udo: „Ja, ich hab sie auch erst vor kurzem auf der Arbeit kennen gelernt.“ Uschi: „Und warum kannst du nicht mit ihr reden, wenn ich dabei bin?“ ….
Was passiert? Udo fängt an sich zu rechtfertigen, weil er in seiner Fantasie gerne mal mit Sandra Sex hätte. Das reicht aus, damit er ein schlechtes Gewissen bekommt. Und Uschi nimmt das wahr und bohrt nach.
Der Mutterkomplex
Permanentes schlechtes Gewissen und die Unfähigkeit Geheimnisse vor der Partnerin zu haben ist ein Zeichen von einer ungeklärten Mutter-Beziehung. Der Mann spielt immer noch den Sohn und projiziert die Mutterrolle auf die Partnerin. Hat er (real oder in der Phantasie) etwas „ausgefressen“, dann fühlt er sich schuldig, fängt an sich zu rechtfertigen, auszuweichen und sich der Partnerin unterzuordnen. Viele Männer, die unter diesem Verhalten leiden sind als junge von der Mutter dominiert, "übermuttert" und von ihr oft beschämt worden. Sie waren zu viel dem mütterlichen „Schutz“ und Einfluss ausgesetzt, zu abhängig von ihr. Sie haben gelernt, auf jede Laune und "Marotte" der Mutter einzugehen, Rücksicht zu nehmen und ihr manchmal sogar PArtnerersatz für den fehlenden oder angeblich unzureichenden Ehemann zu sein. Häufig wurde sie von der Mutter emotional oder sagar sexuell missbraucht und hatten wenige Möglichkeiten ihre Autonomie und Identität als Junge zu entwickeln. Und dieses unerledigte Thema wird dann später auf die Partnerin übertragen: der Mann versucht sie glücklich zu machen - koste es was es wolle. In den meisten Fällen kostet es die eigene Männlichkeit!
Was kann ein Mann dagegen tun?

Die Intuition ist ein göttliches Geschenk,
der denkende Verstand ein treuer Diener.
Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben, den Diener zu verehren und die göttliche Gabe zu entweihen.
Albert Einstein
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