Aus gegebenem Anlass möchte ich ein paar Zeilen zum Verständnis von Männlichkeit, wie ich sie verstehe und in meinen Workshops vermittle schreiben. Ich halte es für männlich, bestimmte Werte in seinem Leben zu entwickeln, diese klar zu kommunizieren und dafür auch zu gehen. Das bedeutet, auch bereit zu sein zu kämpfen oder Gegenwind und Konflikte zu riskieren. Wer sein Fähnchen nach dem Wind hängt oder nach dem beliebten esoterischen Motto "Alles kann, nichts muß" lebt vermeidet Konflikte, aber verweichlicht auf Dauer.

Bildquelle: www.japan-photo.de/samurai.htm
Zentrale Werte, die ich vermittle sind Ehrlichkeit, Ehre, Verbindlichkeit, Verschwiegenheit, Aggression und die Bereitschaft sich Herausforderungen - vor allem der eigenen Angst zu stellen. Dafür stehe ich, das bemühe ich mich zu leben und das möchte ich in meinen Workshops vermitteln.
Das zentrale Thema, weshalb viele Männer nicht ihre Männlichkeit leben oder immer wieder einknicken ist die Angst. Vor allem die Angst, die man sich selbst nicht eingesteht und deshalb viele gute Ausreden findet, um sich nicht zu stellen. Die Charaktereigenschaft, die hilft mit der Angst fertig zu werden ist der Mut. Das bedeutet erst einmal sich selbst gegenüber zuzugeben, dass man Angst hat und dieser ins Auge zu schauen. Mut bedeutet nicht, jede Herausforderung im Leben zu meistern, aber doch sich mit ihr bewusst auseinander zu setzen.
Feige zu sein dagegen bedeutet, Ausreden zu finden und diese vorzuschieben. Feige sein bedeutet, Versprechen nicht einzuhalten, zu lügen oder andere zu verraten. Der Grund für Feigheit ist immer mangelnde Bewusstheit und fehlende Bereitschaft, sich mit den eigenen Ängsten auseinander zu setzen.
Das Thema Aggression ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Jeder hat Aggressionen, aber sie dürfen nicht direkt gezeigt oder ausgedrückt werden. Wer aber seine aggressive Seite bejaht und mit Ehrlichkeit, Bewusstheit und Mut diese ausdrückt richtet meist keinen oder zumindest nur geringen Schaden an - meist findet er konstruktive Wege dafür. Wenn ich mich etwa mit einem etwa gleichstarken Gegner in einem fairen Kampf oder Auseinandersetzung direkt streite ist das Ergebnis eine Stärkung des männlichen Potenzials beider Gegner. Dies ich auch die Philosophie in Karate- und anderen Kampfsportarten, die Tradition haben.
Die erklärten Regeln meines Karate-Dojos (Yoshukai-Karate) lauten:
1. Halte deinen Dojo-Namen aufrecht.
2. Suche die Vollendung des Charakters.
3. Sei treu.
4. Bemühe dich in allen Dingen.
5. Respektiere andere.
6. Unterlasse gewalttätiges und arrogantes Benehmen.
Quelle: www.yoshukai.de
Gewalt ist untersagt, denn sie ist in der Regel unfair, unbewusst und unkontrolliert. In meinem Buch "Männlichkeit leben" erkläre ich ausführlich den Unterschied zwischen Aggression und Gewalt. Interessanterweise sind vor allem feige Menschen gewalttätig: die Geschichte und Gegenwart ist voll von Menschen, die schwächere Gegner quälen, unfair oder indirekt kämpfen, lügen, manipulieren oder den die Auseinandesetzung auf Nebenschauplätze verlagern, um abzulenken.
Interessanterweise sind feige Menschen oft aggressionsgehemmt: sie scheinen nach aussen hin nett und freundlich, aber explodieren entweder unerwartet in einer Gewaltorgie oder kämpfen unfair und unehrenhaft. Sie vermeiden Situationen von direkter, ehrlicher Konfrontation, wo sie sich ihrer Angst stellen müssen und ziehen manipulative Strategien vor. So vermeiden sie die Auseinandersetzung mit sich selbst und verhindern letztendlich ein persönliches Wachstum.
Der Herzenskrieger ist zunächst einmal ein Krieger. Und ein Krieger ist kein Soldat, der mit blindem Gehorsam jeden Befehl ausführt. Vielmehr dient er seinem "König" - symbolisch gesprochen dem Herzen. Er zeigt Mut, kämpft fair, ehrlich und nur gegen Gegner, die ihm gewachsen sind. Gegen schwächere zu kämpfen oder unfaire Mittel anzuwenden bedeutet für ihn immer eine Niederlage und ein Ehrenverlust - ganz gleich wie das Ergebnis des Kampfes ist. Wer den Film "Samurai" kennt wird sich an die Szene erinnern, inder ein Samurai darauf verzichtet einen kranken Gegner zu töten.
Natürlich weicht jeder von uns auch aus Angst, Unbewusstheit oder Kalkulation sinnvollen Herausforderungen oder Kämpfen aus. Doch ein Krieger sieht dies als Ansporn, sich darauf vorzubereiten für den Kampf gewachsen zu sein und eine zweite oder dritte Chance zu nutzen.
Nicht jeder Kampf ist sinnvoll. Sinnloses Blutvergiessen zeichnet nicht einen reifen Krieger aus, sondern einen Anfänger, der sich beweisen muss. Um den Krieger zu entwickeln braucht es also eine gute Vorbereitung und einen fairen Rahmen, in dem man sich seinen Ängsten und dem Gegner stellt. In meinen Herzenskrieger-Workshops möchte ich mit meinem Team diese Haltung und Philosophie des wahren Kriegers vermitteln und ganz konkret schulen.
(Soweit einige Gedanken, die ich gerne noch genauer ausarbeiten will. Aber morgen geht unser Jahresprogramm in Druck, das hat Priorität. Unten Literatur- und Filmtipps zum Thema Kriegerehre.)
Literaturtipp: die Bücher des japanischen Samurai Myamoto Musashi
Filmtipp: Der blinde Samurai von Takeshi Kitano

Die Intuition ist ein göttliches Geschenk,
der denkende Verstand ein treuer Diener.
Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben, den Diener zu verehren und die göttliche Gabe zu entweihen.
Albert Einstein
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