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Vater und Sohn: Immer mehr Männer wehren sich gegen eine Familiengründung. Dabei sist die Vaterbeziehung gerade für die Söhne besonders wichtig für die eigene Entwicklung zum Mann.

BERLIN. „Die Ursachen von Kinderlosigkeit in Deutschland sind zu einem großen Teil männlich.“ Belege für diese These lieferte schon im vergangenen Jahr eine Repräsentativerhebung von Allensbach bei rund 2 000 Erwachsenen. Mehr als ein Drittel der Männer sind danach kinderlos. Fast die Hälfte aller Männer unter 45 glaubt, dass sie keine Familie gründen müssen, um ein glückliches Leben zu führen. In der Generation ihrer Väter waren nur 28 Prozent dieser Meinung. Entsprechend beklagen sich rund 30 Prozent der Frauen, ihren Kinderwunsch nicht verwirklichen zu können, weil sie nicht den passenden Partner finden.

Eine Expertenkommission der Bertelsmann-Stiftung hat sich vorgenommen, den Ursachen dieser männlichen Angst vor der Familie auf den Grund zu gehen. Noch ist die Auswertung der Daten, die die Kommission erhoben hat, am Anfang. Doch erste Ergebnisse gibt es bereits. Von vier Ursachenbündeln berichtete gestern der Chef des deutschen Jugendinstituts, Thomas Rauschenbach, der dem 17-köpfigen Gremium angehört:

Erziehung sei immer noch überwiegend Frauensache. Das beginne bei der Mutter und setze sich in Kindergarten und Grundschule fort. Sogar an den Gymnasien sei schon mehr als die Hälfte des Lehrpersonals weiblich. Damit fehle es männlichen Heranwachsenden an Vorbildern für die künftige Vaterrolle. Hinzu komme, dass das dominante Muster der Männlichkeit darin bestehe, die Kindheit zu überwinden. Dazu passe es kaum, die mit dem Erwachsenwerden gewonnene Freiheit für eine Familie aufzugeben.

Härter wiegen die ökonomischen Faktoren: Volle ökonomische und berufliche Autonomie erreichen die meisten Männer heute erst mit 30 Jahren. Doch dann stünden sie nicht selten vor der Aufgabe, ihre gerade begonnene Berufskarriere voranzutreiben. Die zusätzliche Verantwortung für Kinder würde da nur stören.

Ex-Familienministerin Renate Schmidt (SPD) zählt die Familien sogar zu den Verlierern der Globalisierung. Der wachsende Wettbewerbsdruck fordere den jungen Berufstätigen ab, der Karriere Vorrang zu geben und jederzeit bereit zu sein, für den neuen, besseren Job den Wohnort zu wechseln. Dies stehe in krassem Gegensatz zum Bedürfnis der Familie nach ökonomischer und örtlicher Stabilität.

Nach ihrer Ansicht reicht es nicht, Betriebskindergärten und Kinderkrippen zu bauen, um gewünschte Stabilität der Familie und geforderte Flexibilität der Wirtschaft unter einen Hut zu bringen. Dazu müsse sich die Einstellung der Unternehmen zu Familienvätern ändern. Denn auch die neuen, modernen jungen Väter zeigten zunehmend „Überforderungssymptome“. Sie hätten fatale Ähnlichkeit mit der „Doppelbelastung“ junger Mütter – der wissenschaftlich gut untersuchten Zerrissenheit junger Frauen zwischen Familie und Beruf.

„Unsicherheit.“ Diese Begründung, berichtet die Chefin der Expertenkommission, Liz Mohn, hätten ihr die Piloten auf ihrem Flug von Gütersloh zur Expertensitzung nach Berlin als Begründung für deren Kinderlosigkeit genannt.

Da sei viel dran, meint Experte Rauschenbach. Er glaubt, dass die „Erosion“ der sozialen Bedeutung des Mannes als Familienvater, der das Geld nach Hause bringt, zu tiefer Verunsicherung der Männer geführt hat. „Jenseits der Alleinverdienerrolle entdecken viele kein attraktives Lebensmuster mehr.“ Da sie diese Rolle aber oft schon aus ökonomischen Gründen nicht mehr spielen könnten, blieben sie allein oder verzichteten auf Kinder.

Die Familienanwältin Lore Maria Peschel-Gutzeit stützt die These von der juristischen Seite. Noch nach dem Krieg sei der Mann auch rechtlich der Chef der Familie gewesen. „Er entschied alles, wofür das Geld ausgegeben wird und welchen Beruf die Kinder ergreifen.“ Erst 1959 sei ihm durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts dieses Letztentscheidungsrecht genommen worden. Seine Vaterrolle wurde danach nicht nur durch die Emanzipationsbewegung geschwächt. So durfte er nach der Scheidung zwar den Unterhalt für Frau und Kind leisten, die Erziehung der Scheidungskinder aber war lange das Vorrecht der Mütter.

Erst vor zehn Jahren habe der Gesetzgeber das gemeinsame Sorgerecht der Eltern nach der Scheidung zum Normalfall gemacht. Und erst vor kurzem sei das Unterhaltsrecht so geändert worden, dass Männer ökonomisch die Chance haben, nach einer gescheiterten Ehe eine neue Familie zu gründen. Es gebe also Gründe für die Angst der Männer vor der Familiengründung, so Peschel-Gutzeit.

Link zum Artikel im Handelsblatt

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