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Wenn Jungen und Mädchen in die Pubertät kommen, dann spüren Sie, dass Ihnen etwas verloren geht: die heile, unbekümmerte Welt der Verbundenheit in der Kindheit. Eine gewisse Natürlichkeit, vielleicht sogar Naivität geht ihnen verloren und alles wird komplizierter. Sie fallen aus der Kindheit heraus und spüren schmerzlich das Gefühl des Getrenntseins, fühlen sich aber noch nicht als Persönlichkeit, noch nicht als Erwachsene. Mit Beginn der Pubertät spielen die Hormone verrückt, was sich in vielen Stimmungsschwankungen zeigt, aber auch in einem erwachenden Geschlechtsbewusstsein – gepaart mit einer Sehnsucht und gleichzeitig großen Unsicherheit dem anderen Geschlecht gegenüber. Jugendliche begeben sich auf die Suche nach ihrer eigentlichen Identität und einem Platz, eine Aufgabe in der Welt. Und als erstes steht dabei die Suche nach einer geschlechtlichen Identität als Mann oder Frau. Das einstige Leitbild – Mutter oder Vater wird kritisch gesehen oder abgelehnt. Gleichzeitig fehlen alternative Vorbilder – nur selten gibt es einen Mentor oder einen Mann, der (für die Jungen), der diese Rolle einnimmt. Manchmal ist dies der Trainer im Sport oder ein Lehrer innerhalb oder ausserhalb der Schule. Meist werden abstrakte Idole aus Musik oder Kunst verehrt, jedoch ohne dass diese wirkliche Inhalte oder Werte vermitteln.

So muss sich also der Jugendliche selbst auf die Suche nach seiner männlichen Identität begeben. Wie macht er dies? Denken Sie mal an Ihre Jugend! Indem man seine eigenen sowie die elterlichen und gesellschaftlich akzeptierten Grenzen testet und übertritt. Im Sport oder Extremsport ist dies möglich. Oft werden aber auch bedenkliche Wege gewählt: Alkoholkonsum bis zum Koma, Drogen, verbotene Dinge tun wie Fahren ohne Führerschein, Kleindiebstähle oder Unbefugtes Betreten. Da hört sich alles dramatisch an – es kommt aber wie immer auf das Maß an. Also wir haben als Jugendliche in de 70er und 80er Jahren auf Schrottplätzen und stillgelegte Fabrikanlagen gespielt und dort Dinge geklaut, um Buden oder ein Floß zu bauen. Wir sind nachts über den Zaun des Freibads geklettert, um Schwimmen zu gehen oder haben uns im Kaufhaus bei Ladenschluss einschließen lassen. Wir haben literweise billige Sangria mit viel Zucker gesoffen und heimlich gekifft. Wir haben die Schule geschwänzt, um an einer verbotenen Demonstration teilzunehmen…

Das alles ist natürlich grenzwertig, aber mir hat es nicht geschadet. Es hat den Mut und Abenteuergeist gestärkt und man hat gelernt die Konsequenzen bzw. Strafen zu ertragen, wenn man erwischt wurde. Für Jugendliche, die ab den späten 80er Jahren geboren wurden wird es aber immer schwieriger diese Freiräume zu finden. Immer mehr ist reglementiert und statt einer Standpauke  inklusive Ohrfeige und Drohungen des Schrottplatzbesitzers gibt es heute ein langwieriges Verfahren vor dem Zivilgericht. Was also sollen Jugendliche tun, um diese Freiräume zu finden, in denen sie Ihre Grenzen austesten können?

Wie ich beschrieben habe fehlt es – damals wie heute – an Initiationen für Jugendliche. Diese können auch nicht von den Eltern, sondern müssen von Außenstehenden, den Mentoren geleitet werden. Die die persönliche Geschichte und Verwicklung mit den Eltern macht dies nahezu unmöglich.

Konflikte mit Jugendlichen

Was kann ich als Vater (oder Mutter) tun, wenn Jugendliche in destruktiver oder untragbarer Weise rebellieren? Was kann ich als Angehöriger, Freund oder Lehrer tun?

Um den Konflikt zu verstehen, ist es sinnvoll das System der Archetypen heranzuziehen. Der Jugendliche lebt sozusagen als einen wesentlicher Schritt seiner Entwicklung den Liebhaber oder Rebell. Er braucht diese Abgrenzung von Vater, Autoritäten und gesellschaftlichen Konventionen, um sich und „sein eigenes Ding“ zu finden. Der Vater, Lehrer oder jeder andere Repräsentant der Gesellschaft stellt dabei den Archetyp des Königs dar. Gegen diesen wendet sich der Rebell, denn er steht für Ordnung, Tradition und Regeln.

Viele Eltern oder Betroffene fühlen sich persönlich angegriffen, missachtet oder gedemütigt. Sie reagieren auf der persönlichen Ebene darauf, was verständlich, aber nicht hilfreich ist.

Regel 1 ist also: Nehmen Sie den Angriff nicht persönlich. Es ist ein normaler und wichtiger Konflikt zwischen dem Archetyp Rebell und dem Archetyp König. Der Junge (und auch das Mädchen) braucht die Reibung mit dem Vater oder Repräsentanten), um die eigenen Grenzen zu testen und sich selbst zu finden.

Regel 2: Definieren Sie klare Regeln sowie Konsequenzen bei Nichteinhaltung. Anders ausgedrückt: halten Sie die Königsrolle ein. Das ist ein großes Problem vieler Eltern: sie setzen keine klaren Grenzen, definieren keine Konsequenzen oder haben nicht das Rückgrat diese auch durchzusetzen. Ihre eigene Unsicherheit (oder sogar Abhängigkeit von der Zuneigung der Kinder) deklarieren sie dann als Liebe – das ist ein großer Irrtum! Lernen Sie es auszuhalten, wenn Ihr Kinder mal auf sie schimpfen und sie hassen! Seien Sie kompromisslos, sonst ernten Sie am Ende nur das Mitleid Ihrer Kinder und verlieren jede Autorität.

Das gilt übrigens in besonderem Masse dann, wenn die Kinder nach einer Trennung bei der Mutter leben Sie der „Besuchspapa“ sind. Anstatt immer nur ein schönes Wochenende mit Freizeitprogramm zu gestalten, damit die Kinder auch gerne wieder kommen, sollten Sie nach Möglichkeiten suchen auch den Alltag mitzuerleben, um Grenzen setzen zu können. Denn Erziehung ist mehr als eine gute Zeit zusammen zu verbringen.

Regel 3: Unterstützen Sie Ihre Kinder darin Mentoren zu finden, also erwachsene Vorbilder, die einen prägenden Einfluss auf die Jugendlichen haben. Wenn Ihr Sohn sich für Kampfsport interessiert, dann schauen Sie sich in erster Linie den „Meister“, also den Trainer an: kann dieser Mann in diesem Kontext ein Vorbild für Männlichkeit sein? Wird dort mehr als nur sportliche Fertigkeit vermittelt?

Regel 4: Gehen Sie auf die Suche nach Initiationen für Ihre Kinder. Einige Beispiele finden Sie in meinem Buch „Männlichkeit leben“ beschrieben, suchen Sie selbst nach Möglichkeiten, wo Ihre Kinder altersgemäß und mit kalkulierbarem Risiko Ihre körperlichen und psychischen Grenzen austesten können. Gerade Jungen brauchen ein Ventil für Ihre Energie und Spannungen. Sie müssen lernen, wie sie ihre Aggression in positiver Weise ausleben können – ohne destruktiv und gewalttätig zu werden. Sorgen Sie dafür, dass vor allem die Jungs nicht in der digitalen Welt am PC, bei Spielen und in "social networks" aufwachsen, sondern dass Sie ihnen viele physische Erfahrungen, Herausforderungen und Erlebnisse bieten.

Regel 5: Seien Sie ein Vorbild. Suchen Sie immer wieder selbst Herausforderungen und kleine Mutproben in Ihrem Leben. Wenn Sie ein coached potatoe sind und sich nur gezwungenermassen aus Ihrer Komfortzone bewegen sind Sie keine Motivation für Ihre Kinder. Überraschen Sie Ihre Familie ab und zu, indem Sie trotz Höhenangst einen Fallschirmsprung buchen oder trotz Platzangst ins Fussballstadion gehen. Leben Sie das vor, was Sie Ihren Kindern vermitteln wollen.

Regel 6: Zeigen Sie Interesse für die Themen der Jugendlichen. Sprechen Sie miteinander über Themen wie Werte und Ziele im Leben. Schauen Sie sich Filme zu diesen Themen an. In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Film „Einleben“ meines Sohns Joshua hinweisen: er beschreibt die Suche eines Jugendlichen nach einem passenden Beruf, der mehr als ein Job ist. www.einleben-film.de

Regel 7: Fördern Sie das kreative Potential der Jugendlichen. Eine sehr positive Qualität des Archetyps Rebell ist seine Kreativität. Er stellt althergebrachte Verhaltensweisen in Frage und sucht nach neuen Wegen. Animieren und unterstützen Sie also Jugendliche darin, ihr gesellschaftskritisches Potenzial in kreativer Weise in Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Handwerk oder einem Projekt umzusetzen. Auch hier gibt es Initiativen, die Jugendliche unterstützen. www.unternehmen-anfang.de sowie www.captura-online.de

Regel 8: Wenn ein Konflikt einmal eskaliert oder der Jugendliche Grenzen in nicht akzeptablen Rahmen überschreitet kann es sein, dass Sie als Vater (oder Erziehungsberechtigter oder Lehrer) den Konflikt allein nicht lösen können. Wenn wir einmal auf die Archetypen zurückkommen: im Streit zwischen Rebell und König (Sohn und Vater) kann der Weise (Grossvater) vermitteln. Das ist vielleicht der leibliche Grossvater, der in diesem Fall sehr wichtig wird. Als Eltern sollten Sie darauf achten, dass Ihre Kinder einen guten und eigenständigen Kontakt zu ihren Grosseltern aufbauen können – ganz gleich wie Ihr eigener Kontakt zu Ihren Eltern aussieht. In einer Krise sind die Grosseltern nämlich häufig Vermittler.

Wenn Sie also in einem Konflikt mit Jugendlichen nicht weiter kommen, dann suchen Sie sich Unterstützung in Form eines älteren Mannes, der diese Rolle einnehmen kann. Er ist aus einer anderen Generation und vertritt einen anderen Archetyp, was auch einen neuen Ansatz gibt.

 

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